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Titel
Stolpersteine auf der Friedhofstraße erinnern an Familie Jäckel
Bild
Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern, Lehrern und Isaac Tourgman, Kantor der Jüdischen Kultusgemeinde, enthüllten Bürgermeister Christoph Tesche die sieben neu verlegten Stolpersteine, die an der Friedhofstraße an die Familie Jäckel erinnern. Foto: Stadt RE
Einleitung
Gegen das Vergessen: Das Verlegen von Stolpersteinen ist ein wichtiger Baustein in der Erinnerungskultur der Stadt Recklinghausen.
Haupttext

Am Dienstag, 14. Mai, enthüllte Bürgermeister Christoph Tesche gemeinsam mit Schüler*innen der Gesamtschule Suderwich und Vertreter*innen der Jüdischen Kultusgemeinde sowie der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit sieben dieser Steine, die an der Friedhofstraße 13 an Oskar, Fanny, Bernhard, Joachim, Max und Johanna Jäckel sowie an die einzige Überlebende der Familie, Judith Jäckel, erinnern. 

Sie waren dort zuhause und besaßen ein Manufakturwarengeschäft im selben Gebäude, bis sie in eines von fünf sogenannten Judenhäusern an der Paulusstraße ziehen mussten. Von dort wurden sie ab 1939 in zum Teil unterschiedliche Konzentrations- und Vernichtungslager verschleppt. Oskar Jäckel wurde am 11. März 1942 in Bernburg durch Gas ermordet. Fanny Jäckel und ihre Kinder Bernhard, Joachim, Max und Johanna wurden wie viele jüdische Mitbürger*innen aus Recklinghausen nach Riga deportiert und dort bzw. nach der Auflösung des Ghettos ermordet. Lediglich eine Tochter der Familie, Judith Jäckel, überlebte die Schreckensherrschaft der Nazis, da sie Anfang 1939 als neunjähriges Mädchen mit einem Kindertransport nach England gelangte. Judith Jäckel war die einzige Überlebende der Familie Jäckel.

„Die Stolpersteine, die wir heute enthüllen, erinnern uns einmal mehr daran, dass wir die Geschichte nicht vergessen dürfen“, sagte Bürgermeister Tesche. „Sie sind Symbole der Erinnerung an die unschuldigen Opfer der Nazi-Diktatur. Mögen sie uns mahnen, niemals wieder in Stille zu verharren, wenn Unrecht geschieht, und für eine Welt einzustehen, in der Toleranz und Menschlichkeit regieren. Gerade in heutigen Zeiten ist es mir ein besonderes Anliegen, immer wieder zu betonen: In Recklinghausen gibt es keinerlei Platz für Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus jeglicher Art!“

In einer Feierstunde vor Ort – maßgeblich vorbereitet von der Gesamtschule Suderwich – trugen die Schüler*innen des Projektkurses „Wider das Vergessen“ ein Grußwort von David Gastmans, Sohn von Judith Jäckel Gastmans, vor und präsentierten die Biografie der Familie Jäckel im Detail. Zuvor hatten sich die Schüler*innen bereits im Jahr 2022 zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar mit den Biografien der Familie beschäftigt und diese Bürgermeister Christoph Tesche für das Gedenkbuch der Stadt Recklinghausen überreicht. 

An der Zeremonie nahmen neben Vertreter*innen der Arbeitsgruppe Stolpersteine auch Isaac Tourgman, Kantor der Jüdischen Kultusgemeinde, Vertreter*innen der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und des Vereins für Orts- und Heimatkunde sowie Patrick Klink, Oberstufenleiter der Gesamtschule, teil. 

Zum Hintergrund:

Initiiert wurde die Verlegung von Stolpersteinen durch den Künstler Gunter Demnig bereits im Jahr 1996. Er erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Inzwischen liegen Stolpersteine in 1265 Kommunen Deutschlands und in 21 Ländern Europas. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, zitiert Gunter Demnig den Talmud. Weitere Informationen gibt es auch online unter www.stolpersteine.de. 

In Recklinghausen wurden 2014 auf Initiative von Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen die ersten beiden Stolpersteine vor dem Präsidium am Westerholter Weg verlegt, die an Albert Funk und Hermann Vörding erinnern. Im selben Jahr fasste der Rat der Stadt einen Grundsatzbeschluss, an menschliche Schicksale durch die Erarbeitung ihrer Biografien und der anschließenden Verlegung von Stolpersteinen zu gedenken.

Die Biografien sind im Online-Gedenkbuch der Stadt zu finden. Das Projekt soll auf Jahrzehnte ausgelegt sein und vor allem auch junge Menschen zur Beschäftigung mit konkreten Lebenswegen motivieren. Seit dem Ratsbeschluss vor zehn Jahren wurden jedes Jahr im gesamten Stadtgebiet Stolpersteine enthüllt. Das Gedenkbuch spiegelt die Ergebnisse der langen Auseinandersetzung der Bürger*innen mit der NS-Terrorherrschaft wider. 

Pressefoto:
Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern, Lehrern und Isaac Tourgman, Kantor der Jüdischen Kultusgemeinde, enthüllten Bürgermeister Christoph Tesche die sieben neu verlegten Stolpersteine, die an der Friedhofstraße an die Familie Jäckel erinnern. Foto: Stadt RE

Datum
14.05.2024


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