
Die Schwelle erinnert fortan vor dem Hochbunker an der Hohenzollernstraße 69 an das Unrecht, das den Zwangsarbeiter*innen und Kriegsgefangenen damals geschehen ist. Mit dabei waren auch Vertreter*innen aus Rat und Verwaltung sowie Anwohner*innen.
„Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass Millionen Menschen durch das Nazi-Regime umgekommen sind. So etwas darf nie wieder passieren. Leider gibt es in den vergangenen Tagen viele Bilder zu sehen, die ich so nicht sehen möchte“, erklärte die stellvertretende Bürgermeisterin Christel Dymke und wies damit bewusst auf die aktuellen Ereignisse im Nahen Osten hin.
Die Stolperschwelle ist die erste in Recklinghausen und wurde, wie auch die Stolpersteine im Stadtbild, von dem Künstler Gunter Demning geschaffen. Stolperschwellen erinnern an Opfergruppen, von denen meist nur ein Teil der Opfer namentlich bekannt ist, und weisen auf Unrechtsorte hin. Stolpersteine hingegen sind jeweils einem einzelnen Menschen gewidmet.
2014 hat der Rat der Stadt Recklinghausen einen Grundsatzbeschluss zur Gedenkkultur in Recklinghausen gefasst. Seitdem erinnert die Stadt mit der Verlegung von Stolpersteinen an verschiedenen Orten in Recklinghausen an die Opfer. Ebenso gibt es Mahnmale auf vielen Friedhöfen. Diese sollen ebenfalls an vergangenes Leid erinnern und gleichzeitig als Mahnung davor dienen, dass sich diese Gräueltaten niemals wiederholen.
Zudem gibt es auf der städtischen Webseite ein Online-Gedenkbuch, in dem Biografien vieler Opfer aus Recklinghausen nachzulesen sind. Hier geht es zum Gedenkbuch.
Zwangsarbeiter*innen und Kriegsgefangene in Recklinghausen
In Recklinghausen kamen 1940 bis 1945 pro Jahr etwa 8.000 Zwangsarbeiter*innen zum Einsatz. Arbeitsplätze waren die Landwirtschaft, die Zechen, Bergbau-Zulieferer, das Reichsbahnausbesserungswerk und andere Betriebe.
Auf den Recklinghäuser Friedhöfen liegen 520 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter*innen. 82 Prozent stammen aus der damaligen Sowjetunion, andere aus Polen, Belgien, Holland, Serbien, Kroatien, Norwegen und Italien. Bisher erinnern lediglich die Grabsteine an sie. Deshalb wurde nun vor dem Hochbunker an der Hohenzollernstraße eine Stolperschwelle errichtet.
Die Behandlung der Zwangsarbeiter*innen erfolgte nach dem Stellenwert, der ihnen als Menschen gemäß der rassistischen NS-Lehre zugeschrieben wurde. Das Wachpersonal achtete auf strenge Durchführung. Die Zwangsarbeiter*innen wurden außerdem mit einem auf der Brust aufgenähten Stoffquadrat und der Aufschrift „OST“ (Ostarbeiter) für die Sowjetunion und „P“ für Polen gekennzeichnet. Die nationalistische Rassenideologie war der Maßstab für die Unterschiede. Angehörige „germanischer Völker“ standen deutlich über „Slawen“, die von den Nazis als „Untermenschen“ diffamiert wurden.
Für Zwangsarbeiter*innen herrschten darüber hinaus Ausgangsbeschränkungen. Öffentliche Verkehrsmittel durften nur mit einer Genehmigung genutzt werden. Der Besitz von Fahrrädern und der Besuch von Gaststätten war verboten. Auf Geschlechtsverkehr mit Deutschen stand die Todesstrafe. Für schwangere Arbeiterinnen wurde in der Stadt Waltrop ein Lager eingerichtet, in dem Zwangsabtreibungen vorgenommen wurden.
Während der Luftangriffe war das Aufsuchen von Schutzräumen verboten, viele wurden Opfer der Bomben. Auch die miserable Ernährung und die besonders zum Kriegsende immer unhaltbareren hygienischen Verhältnisse förderten Krankheiten wie Fleckfieber, Typhus und Tuberkulose.
Für die deutsche Bevölkerung war die Lage der Zwangsarbeiter*innen offen sichtbar. Millionen von ihnen gehörten in allen Teilen des Reiches zum Alltag während des Krieges.